Entre deux actes

Loge de comédienne

25.7.2009 – 08.11.2009

Ausgangspunkt der Ausstellung Entre deux actes – Loge de comédienne ist die Garderobe einer Schauspielerin, ein Interieur von Janette Laverrière (*1909) aus dem Jahr 1947. Laverrière gestaltet seit mehr als sieben Jahrzehnten Möbel und Spiegelobjekte, die in Frankreich zu musealen Ehren gekommen und untrennbar mit der Geschichte des modernen französischen Designs verbunden sind.

Die Installation Entre deux actes II (loge de comédiennes) besteht aus einer violett gepolsterten Chaiselongue und einem grün-weiß gestreiften Baldachin, einem schwarzen Fußboden und einem Frisiertisch mit drehbaren, farbigen Regalelementen. Ein wesentlicher Aspekt dieses Interieurs sowie weiterer Möbel und vor allem der Spiegelobjekte von Laverrière ist die Zurücknahme der eigentlichen Funktion und die Hinwendung zu autonomen Kunstobjekten. Sehr früh finden sich Bezüge zu stilistischen Merkmalen des Bauhauses, die in die künstlerische Moderne der 1950er und 1960er Jahre weisen. Vor allem die Verwendung moderner, ökonomischer Materialien wie Rundeisenstäbe und gelacktem oder roh belassenem Edelstahl lassen ihre Entwürfe wegweisend erscheinen. Poetische Titel wie Brin d’herbe (Grashalm) für eine Stehlampe oder Poumon (Lunge) für einen Stuhl mit charakteristischer Rückenlehne zeigen ihre Liebe zur künstlerischen Deutung von Mobiliar und Lampen. Interieurs wie das Cabinet de travail d’une femme d’ambassadeur (Arbeitszimmer einer Frau eines Botschafters), die Spiegelobjekte A Courbet (An Courbet) oder La commune – Hommage à Louise Michel (Die Kommune – Hommage an Louise Michel) verraten die Auseinandersetzung mit emanzipatorischen und politisch-historischen Bezügen.

Im Kontext der bildenden Kunst wurde Laverrières virtuos und konsequent entstehendes Werk erstmals durch ein Gemeinschaftsprojekt mit Nairy Baghramian wahrgenommen. Aus einer ersten Begegnung in Paris entwickelte sich eine intensive Freundschaft. Im Rahmen der Berlin Biennale 2008 gestaltete Baghramian im Schinkel Pavillon einen Raum, in dem die Spiegelobjekte von Laverrière erstmals ausgestellt wurden. Für die Rekonstruktion von Entre deux actes in der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden entwickelt Nairy Baghramian ein Raumkonzept, in das Fotografien des italienischen Designers Carlo Mollino integriert werden. Neben der Präsentation von Entre deux actes im großen Oberlichtsaal werden in den angrenzenden Kabinetträumen der Staatlichen Kunsthalle Baden-Baden Künstlerinnen und Künstler ausgestellt, die in ihrem Werk den in den letzten Jahrzehnten intensiv ausgetragenen Diskurs um die Begriffe Kunst und Design, Angewandte Kunst und deren Gebrauch reflektieren. Spätestens seit dem Aufkommen der Pop Art haben sich Künstler in Europa und Amerika mit den sich rasch wandelnden Formen der Gestaltung von Interieurs auseinandergesetzt. Die Ausstellung zeigt anhand exemplarischer Rauminstallationen von Richard Artschwager, Cosima von Bonin, Marc Camille Chaimowicz, Fischli & Weiss, Martin Kippenberger, Meuser, Claes Oldenburg und Franz West die Aktualität und die Brisanz des Diskurses um die Beziehung von Design und Kunst. Neben historischen Installationen werden eigens für diese Ausstellung geschaffene Arbeiten präsentiert. So wird Tobias Rehberger das Café Kunsthalle im Foyer neu gestalten.

Die Ausstellung wird von einem umfassenden, reich bebilderten Katalog in deutscher und englischer Sprache und einem Veranstaltungsprogramm mit Filmen, Vorträgen und Lesungen begleitet.

Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes.