Schwarzwald- hochstraße

Aktuelle Kunst in und aus Baden- Württemberg

30.6.2002 – 01.9.2002

Ein wesentlicher „Exportschlager“ aus Baden-Württemberg war und ist die bildende Kunst. 
In der Ausstellung wird von einem heutigen, zeitgenössischen Standpunkt aus ein Blick zurück auf ein Stück kultureller Landesgeschichte geworfen. Viele renommierte Künstlerinnen und Künstler sind in Baden-Württemberg geboren und/oder Absolventen einer baden-württembergischen Kunsthochschule. Sie haben hier gelebt, gelernt und gelehrt, und waren und sind für das bundesweite wie internationale Kunstgeschehen von großer Bedeutung. Die Ausstellung bezieht deshalb bewusst auch solche Künstlerinnen und Künstler mit ein, deren Lebens- und Arbeitsweg über das ursprüngliche Umfeld – Baden-Württemberg – hinausführte, was nichts anderes darstellt als die individuell-biographische Seite des kulturpolitischen Begriffes „Ausstrahlung“. Als Rundblick durch die zeitgenössische Kunst konzentriert sich die Ausstellung auf wegweisende künstlerische Positionen von 1970 bis heute. Zur Ausstellung erscheint ein Katalog, der alle Künstler der Ausstellung in Abbildungen und Beschreibungen vorstellt (Mit Texten von Johannes am Ende, Thomas Bechinger, Stephan Berg, Margrit Brehm, André Butzer, Peter O. Chotjewitz, Diana Ebster, Fritz Emslander, Michael Hübl, Jörg Katerndahl, Stephan Kemperdick, Michael Krajewski, Valeria Liebermann, Franz Littmann, Olaf Metzel, Gert Reising, Dirk Teuber, Susanne Titz, Rafael von Uslar, Sabine B. Vogel und Matthias Winzen. 184 Seiten, ZAHLR. FARB- UND S/W-ABB., in der Ausstellung € 22,-)

Kunstlandschaft Baden-Württemberg
50 Jahre Baden-Württemberg – das ist auch eine Geschichte stetiger Modernisierung und Innovation, nicht zuletzt im Künstlerischen und Kulturellen. Baden-württembergische Spitzentechnologie und Erfindergeist haben dem südwestdeutschen Bundesland einen bedeutenden Platz im weltwirtschaftlichen Zusammenspiel verschafft. Ein anderer »Exportschlager« war und ist die Bildende Kunst aus Baden-Württemberg. Die Akademien in Stuttgart und Karlsruhe, die Kunstförderung des Landes und der Städte, öffentliche Sammlungen, Kunstvereine sowie private Sammler und Mäzene ergänzen einander zu einem kunstfreundlichen Umfeld. Im föderalen Zusammenspiel der Bundesrepublik brachten und bringen baden-württembergische Künstlerinnen und Künstler den deutschen Südwesten immer wieder eindrucksvoll zur Geltung – mehr noch, die Ausstrahlung auf das nationale und internationale Kunstgeschehen ist faktisch sichtbar. Viele Künstlerinnen und Künstler aus Baden-Württemberg haben sich nach Berlin, Leipzig, ins Rheinland, nach München, Hamburg, Frankreich, in die Schweiz, die USA oder nach Afrika begeben, um dort zu arbeiten und zu wirken.

Künstlernetzwerke in und aus Baden-Württemberg
Während die historisch zwei Landesteile mitunter ihre Landeseinheit befragen, haben die Künstler längst ein Netzwerk künstlerischer Beziehungen und geistiger Bezüge in und aus Baden-Württemberg als Ganzes geschaffen. Dieses Netzwerk wird in der Ausstellung als lebendiges System gezeigt, als ebenso anschlussfähiges wie entwicklungsoffenes Gebilde. Hier setzt die Ausstellung »Schwarzwaldhochstraße« an. Künstlerische Praxis ist immer zweiseitig. Sie ist verwurzelt in einer konkreten, durchaus regional geprägten Mentalität und zugleich überschreitet sie immer diese mentale Verortung forschend und experimentell. Kunst hat eine Brückenfunktion – sie bindet das baden-württembergische Kulturgeschehen an das nationale und internationale Kunstleben an und bringt umgekehrt aktuelle internationale Fragestellungen in die Diskussionen und Debatten Baden-Württembergs ein. Die Ausstellung »Schwarzwaldhochstraße« zeigt einen aktuellen Rundblick durch das Netzwerk der Kunst in und aus Baden-Württemberg. Ohne enzyklopädischen Anspruch belegt die Ausstellung, wie intensiv die Bildende Kunst den geistigen Austausch praktiziert.

Das künstlerische Spektrum
Ein wichtiges, Generationen übergreifendes Motiv baden-württembergischer Künstler scheint zu sein, systematischen Sammler- und Tüftlergeist in der eigenen Kunstpraxis wiederzufinden und ihn spielerisch zum System sprengenden Extrem zu treiben, wie es Fritz Schwegler, Sabine Groß, Thaddäus Hüppi und Heiner Blum auf sehr verschiedene Weise tun. Mit konzeptueller Strenge untersuchen Karin Sander, Thomas Ruff und Georg Winter Strategien des Sehens und der Rezeption von Kunst, während Tobias Rehberger und Axel Heil die Verfügbarkeit von Bildern als Ausgangspunkt nutzen, von dem aus sie ihre hybriden Setzungen entwickeln. Im Grenzbereich zwischen genauer Beobachtung und präziser Fantasie siedeln auch Isabell Heimerdinger, Philip Metz, Simone Demandt und Enne Haehnle ihre Arbeiten an, die sich in unterschiedlichen Medien mit der Verortung des Individuums beschäftigen. Dass skeptischer Humor und melancholische Ironie mächtige kreative Antriebe sind, wird in den Werken von Patricia Waller, Markus Weber, Jürgen Drescher und Peter Zimmermann deutlich. Die Gemälde von Thomas Bechinger, Erwin Gross, Anselm Reyle, Klaus Merkel, Cordula Güdemann, André Butzer, Simone Letto und Johannes Hüppi belegen die anhaltend intensive Auseinandersetzung mit dem vielschichtigen Verhältnis von Farbe und Fläche, Realität und Erscheinung, die von Künstlern wie Rolf-Gunter Dienst, Peter Dreher, Dieter Krieg und Anselm Kiefer über Jahrzehnte thematisiert worden ist. Der Reichtum der malerischen Debatte zeigt sich auch in den konstruktiv-bildhauerischen Erweiterungen des Malerischen, etwa bei Alfonso Hüppi, Jörg Eberhard und Anke Pfisterer. Einen Gegenpol hierzu formulieren die körperhaften Setzungen von Karl Manfred Rennertz und Werner Pokorny. Erforschungen des realen Raumes bieten die direkt auf architektonische Situationen reagierenden Interventionen von Ralf Werner, ebenso wie die empirisch entwickelten Systeme Eberhard Eckerles, während für Daniel Roth und Peter Pommerer der definierte Raum als Einstieg in visionäre, eigenen Gesetzen gehorchende Welten dient.